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Garantiefonds
Der Traum vieler Anleger: Die Gewinnchancen der Aktienbörse nutzen,
ohne je in die Gefahr zu geraten, dabei Geld zu verlieren. Eine Vorstellung,
die auch die deutschen Fondsgesellschaften seit geraumer Zeit fasziniert.
Bereits Ende der Achtzigerjahre spielten sie deshalb intern die verschiedensten
Möglichkeiten für einen derartig konstruierten Garantiefonds
durch. Die meisten Konzepte blieben allerdings zunächst in der
Schublade, weil sie das Bundesaufsichtsamt in der gewünschten
Form nicht passiert hätten.
Am schnellsten reagierte die DWS, als sie im Dezember 1991 in Luxemburg
den Konzept 94 auflegte. Die Manager dieses ersten Aktien-Laufzeitfonds
investierten vor allem in deutsche Blue Chips, sicherten ihre Bestände
aber zu mehr als 100 Prozent durch den Kauf von Verkaufsoptionen auf
den DAX ab. Das sollte den Anteilspreis im Falle stark fallender Aktienkurse
stabil halten. Um die letzten Zweifler zu überzeugen, gab die
DWS schließlich eine Garantie ab: Am Ende der Laufzeit im Dezember
1994 sollten alle Käufer mindestens das eingesetzte Kapital zurückerhalten,
abzüglich des dreiprozentigen Ausgabeaufschlags.
Wer sich den neuartigen Fonds mit Rückfahrschein ins Depot legte,
fuhr auf den ersten Blick nicht schlecht dabei. Von der Auflage bis
zur Auflösung im Dezember 1994 sprang für die Zeichner ein
Plus von 23,3 Prozent heraus. Das waren elf Prozentpunkte weniger
als beim DAX, allerdings bei weitaus geringeren Schwankungen. Auch
vom Absatz war der Konzept 94 ein Renner: Zu einem Zeitpunkt, als
vielen Anlegern die kräftigen Kursverluste der Kuwait-Krise noch
allgegenwärtig waren, sammelte die DWS für ihren Neuling
innerhalb weniger Wochen mehr als 300 Millionen Mark ein.
Der Erfolg produzierte Nachahmer: Im Dezember 1993 stattete der DIT
seinen neu aufgelegten "Deutsche Aktien RB" ebenfalls mit
einer Rücktrittbremse aus. Obwohl es für diesen ähnlich
konstruierten Fonds weder einen festen Rückzahlungstermin noch
eine förmliche Garantie gab, sammelte der DIT innerhalb kürzester
Zeit 1,5 Milliarden Mark ein - und musste den nach deutschem Recht
aufgelegten Fonds prompt wieder schließen: Bei einem größeren
Volumen hätten die DIT-Manager die Bestände nicht mehr wirkungsvoll
gegen einen heftigen Kurseinbruch absichern können.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der DIT Deutsche Aktien RB
allerdings alles andere als zufrieden stellend. Bis Ende 1995 sank
der Anteilspreis um sieben Prozent, während der DAX ein Prozent
zulegte. Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden:
Anders als der Konzept 94 wurde der DIT Deutsche Aktien RB nicht in
einem Kurstal, sondern nach einem kräftigen DAX-Anstieg aufgelegt.
Gerade in der Anfangsphase bewegten sich die Kurse über Monate
hinweg nur marginal, im Fonds selbst fielen aber trotzdem die relativ
hohen Kosten für die Absicherung an. Immer mehr Anleger sprangen
deshalb ab, zweieinhalb Jahre nach der Auflage war das Fondsvermögen
bereits auf 414 Millionen Mark geschrumpft. Einige Kunden der DIT-Mutter
Dresdner Bank, die sich falsch beraten fühlten, drohten sogar
mit einer Klage und ließen sich nur durch den gebührenfreien
Tausch in den DIT-Fonds für Vermögensbildung besänftigen.
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